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„Sparen lohnt sich nicht.“ FREERIDE 4/20
INTERVIEW MIT DIPL. ING. STEPHAN OTTMAR FACHJOURNALIST
Worauf muss ich beim Kauf achten?
Zuerst solltest Du Dir die Frage stellen: Was willst Du mit Deinem Kind machen? Touren fahren, oder im Bikepark shredden? Bei Kinder-Bikes kommt es enorm aufs Gewicht
Gemessen an dem Körpergewicht der Kinder fahren sich Fully-Kinder-Bikes häufig so, als würden wir Erwachsene mit einem 25-Kilo-Bike rumpedalieren. Bei Touren verlie-ren die Kids so schnell die Lust. Daher würde ich hier lieber zum Hardtail greifen.
Wie wichtig sind die Komponenten?
Sehr wichtig! Sie müssen den Anforderungen der Kids gerecht werden. Heißt: Bremshebel und Griffe müssen für kleine Hände konzipiert sein. Für die Hersteller, die sich auf Kinder-Bikes spezialisieren, ist das mittlerweile normal. Hier sind auch die Federelemente auf das geringe Körpergewicht eingestellt. Vor einigen Jahren war das noch eine Seltenheit. Manche Hersteller spezifizieren ihre Kinder-Bikes immer noch mit Erwachsenenkomponenten damit haben Kinder selten Spaß.
Spezielle Griffe, Sättel, Bremshebel oder Pedale sind auf den ersten Blick erkennbar. Wie finde ich heraus, ob die Federelemente speziell für Kinder abgestimmt sind?
Gar nicht. Hier musst Du Dich auf Deinen Händler oder den Hersteller verlassen. Ob die jedoch ehrlich sind, ist fraglich. Viele senken einfach den Luftdruck ab, doch das hilft nur bedingt.
Worauf sollte ich noch achten?
Eine Sattelklemme ist Pflicht. Eine Teleskop stütze wäre ideal. Leider fällt gerade bei Fullys das Sitzrohr so kurz aus, dass sich die Stütze nicht tief genug versenken lässt. Vario-Stützen lassen sich hier nicht nachrüsten.
Kinder-Bikes sind teuer. Wie viel muss ich ausgeben?
Sparen lohnt sich nicht. Zudem ist der Wiederverkaufswert von hochwertigen Kinder-Bikes aktuell hoch. Also gleich was g’scheits!
Ist es bei Kinder-Bikes noch wichtiger, Probe zu sitzen als bei Erwachsenen-Bikes – aufgrund der Größe?
Probesitzen ist immer besser. Doch nicht sinnvoller als bei Erwachsenen-Bikes. Kinder arrangieren sich schneller als Erwachsene.
Wann merke ich, dass mein Kind aus dem Bike herausgewachsen ist?
Das sieht man an der Optik. Es sieht schlichtweg komisch aus.
„Ich setze keine Grenzen.“ FREERIDE 4/20
INTERVIEW MIT FAHRTECHNIKEXPERTE HOLGER MEYER
Kinderkurs, oder selbst unterrichten?
Wir haben das mit unseren Kindern selbst gemacht. Doch mittlerweile gibt es ein richtig gutes Angebot an Kids-Camps. Mit Gleichaltrigen zu lernen, macht den Kids viel mehr Spaß. Zudem folgen sie dem Coach aufs Wort, was beim Daddy ja oft nicht der Fall ist.
Das Kind will den Drop springen wie viel Risikobereitschaft sollten die Eltern zulassen?
Wenn ich weiß, dass mein Kind das fahrtechnisch draufhat, setze ich keine Grenzen. Da muss man dem Kind Eigenverantwortung zutrauen.
Wann muss ich eingreifen?
Kinder können sehr verbissen sein. Wenn das Kind nach einem langen Parktag den Drop doch unbedingt noch springen will, sollte man sagen: „Nein, da fühle ich mich nicht wohl damit – das machst Du das nächste Mal.“ Mit so einer Ansage können die Kinder gut leben.
Wie stark sollte ich unterstützen?
Wenn mein Kind richtig Spaß an meinem Hobby hat, ist das doch super. Dann will ich es mit gutem Material unterstützen. Es ist Quatsch, ihm ein billiges Jugend-Hardtail hinzustellen und zu sagen: Damit kannst Du auch im Bikepark fahren – das tut’s schon!“ Nein, das tut’s eben nicht. Das Bike muss ja nicht neu sein. Ab 20 Zoll gibt es richtig gute, vollgefederte Kinder-Bikes. Aber klar, billig ist das nicht.
Manche sagen, satter Federweg versaut die Fahrtechnik?
Die Gefahr besteht bei Kindern nicht. Denn meist hatten die bereits ein Laufrad und ein Hardtail-Klunker, mit dem sie zur Schule gefahren sind und erste Jumps übten. Erst dann wird ein Fully fällig. In dem Alter ist das ein Selbstläufer. Kinder lernen so schnell so viel. Und das kannst du später nicht mehr nachholen. Wenn du dir dagegen mit 37 Jahren als Quereinsteiger einen Downhiller kaufst und dich draufsetzt wie auf eine Couch – dann lernst du damit nicht die fundamentalen Skills.
Welche Parks eignen sich besonders gut, um mit seinen Kindern hinzufahren?
Die wichtigste Frage ist natürlich: Sind die Kids schon Mountainbiker, oder werden sie es erst? Für den Einstieg ins Parkbiken finde ich super geeignet: Livigno, Sölden, Serfaus-Fiss-Ladis, Arosa und Dolomiti-Paganella. Denn dort gibt’s ein Pumptrack-Areal, ideal, um sich einzugewöhnen, lustige Flowtrails mit kleinen Sprüngen, aber auch Natur-Trails und Downhills.



